Diejenigen, die das Forum schon länger und/oder intensiver verfolgen, wissen es bereits: Ich bin ein großer Fan meines Matrix10 Saugroboters. Ich habe das Gerät jetzt seit einem Dreivierteljahr in intensivem Einsatz und nehme das zum Anlass, einen ehrlichen Review zu dem Gerät (und eine Wunschliste für einen etwaigen Nachfolger) zu posten.
1. Das Gerät
Auf dem Saug-Wischroboter-Markt, der in den letzten Jahren von einer Vielzahl sehr ähnlicher Geräte geprägt war, sticht der Matrix10 heraus – und das ist vor allem der Größe der Reinigungsstation geschuldet. Während der Roboter im Prinzip ein leicht adaptierter X50 ist, ist die Station größer, breiter und erinnert mit ihrer Fronttür ein wenig an einen Mini-Fridge. Dahinter verbirgt sich nicht weniger als eine technologische und produktdesignerische Meisterleistung. Auf der Rückseite der Tür befindet sich eine Halterung für drei verschiedene Paar Wischmops, die von einem Liftsystem passgenau zwischen Ablage und Waschbrettplatte hin und her transportiert werden, wo sie dann von dem Roboter aufgenommen und für den Wischeinsatz vorbereitet werden. Wer einmal gesehen hat, wie präzise die einzelnen Mechanismen hier ineinandergreifen, kann nur den Hut ziehen. Anfangs hatte ich zugegebenermaßen meine Zweifel, mir erschien das Moppwechselsystem fragil und potenziell fehleranfällig. Und auch wenn mir bewusst ist, dass hie und da User über ein verklemmtes Moppgestell klagen, bei mir funktioniert das seit Tag eins ohne jedes Problem!
2. Drei Mopps, drei Reiniger: Das Alleinstellungsmerkmal
Der Matrix10 kommt mit drei für unterschiedliche Anwendungsfälle ausgerichteten Mopppads: ein Paar für schmierige Bereiche (mit etwas raueren Scheuereinsätzen auf dem Pad), eines für feuchte Bereiche (mit besonders starker Wasseraufnahmefähigkeit) und einmal mit den Standardmopps. Ich habe den Mopp für feuchte Bereiche übrigens durch ein besonders weiches und schonendes Wischerpaar eines anderen Herstellers ersetzt, das meine empfindlichen Holzböden beim Wischen eher streicheln als scheuern soll.
Parallel zu den drei Mopppads bietet der Matrix10 in seinem Reinigungsmittelcontainer Platz für drei unterschiedliche Reinigungsflüssigkeiten. Das führt oft zu Missverständnissen: Das heißt nicht, dass jedem Wischerpaar ein Reinigungsmittel zugeteilt ist! Das heißt auch nicht, dass die Kammern beliebig und frei mit Reinigern eigener Wahl befüllt werden können!
In Kammer A kommt das Universalreinigungsmittel von Dreame: Das wird für die Reinigung aller(!) Böden und aller Wischmopps verwendet. In Kammer B kommt das Mittel gegen Haustiergerüche. Das wird dann je nach gewählter Einstellung in gewissen Abständen dem Wischwasser beigefügt und soll – wie der Name vermuten lässt – Haustiergerüche neutralisieren. In Kammer C kommt das Mittel für Holzböden. Streng genommen handelt es sich dabei auch nicht um ein Reinigungs-, sondern vielmehr um ein Pflegeprodukt. In den „benutzerdefinierten Reinigungsmodi" gibt es beim Matrix10 die Option "Holzbodenpflege", und die hat wirklich kein anderes Gerät auf dem Markt. Dabei wird – nach einer gründlichen Grundreinigung – eine dünne Schicht von dem Pflegemittel pur auf alle Holzböden aufgetragen, die dann dort trocknet und die Böden vor Ausbleichen, Kratzern und Schmutz schützen soll und für einen leichten Glanz sorgt. Natürlich kann so eine dünne Schicht keine Wunder vollbringen, bei mir ist es aber tatsächlich so, dass leichte Schmirgelspuren, die ein anderer Reinigungsroboter mit seinen rotierenden Mopps hinterlassen hat, von Mal zu Mal besser überdeckt werden.
Ich habe leider sehr empfindliche Holzböden und bei mir fährt der Matrix10 zweimal in der Woche im Modus Holzbodenpflege. Das reicht mir als Grundreinigung und Grundimprägnierung.
3. Die Wischleistung
Die Wischleistung des Matrix10 ist sehr, sehr gut – aber nicht für jede Wohn-/Lebenssituation. Usern, in deren Wohnumgebungen viel frischer Schmutz anfällt, beispielsweise weil Haustiere Pfotentapser hinterlassen oder öfter mal Flüssigkeiten verschüttet werden, würde ich eher zu einem Gerät mit Wischwalze raten. In solchen Situationen hilft es einfach, dass der Schmutz und das Schmutzwasser mit jeder Umdrehung der Walze abgestreift und abgesaugt werden; die rotierenden Mopps nehmen den Schmutz zwar auch gut auf, werden dabei aber natürlich auch selbst immer schmutziger und tragen den Dreck so lange mit sich, bis sie in der Station wieder gewaschen werden.
Durch die unterschiedlichen Mopppaare kann der Matrix10 jedoch in generell saubereren Umgebungen seine Stärken ausspielen: Die Fliesen im Bad sind nach dem Duschen noch feucht? Kein Problem: Die saugstarken Mopps nehmen das auf und verteilen die Flüssigkeit nicht in der gesamten restlichen Wohnung. Eingetrocknete oder ölige Flecken werden durch die dafür ausgelegten Mopps perfekt gelöst, gerade auch auf Vinyl- und Fliesenboden zeigt sich hier ein deutlicher Unterschied zu den Standardgeräten mit rotierenden Mopps.
Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Vorteil der unterschiedlichen Mopppads: Es ist möglich, Badezimmer, Toiletten und Haustierbereiche mit einem Mopppaar zu wischen, Küche und Kinderzimmer mit einem anderen. So kann Kreuzkontaminierung de facto ausgeschlossen werden.
4. Die Saugleistung
Die Saugleistung des Matrix10 ist auf Hartböden absolut top. Die Saugkraft und die beiden gegenläufig rotierenden Bürsten schaffen es mühelos, größere und kleinere Partikel aufzunehmen; ich musste in den 8 Monaten auch kein einziges Mal selbst eingreifen, um beispielsweise verwickelte Haare oder verklemmte Kieselsteine aus dem Saugmodul zu entfernen. Damit gehört der Matrix10 zum Besten, das es aktuell auf dem Markt gibt. Allerdings: Die Innovation schläft nicht. Dreame selbst hat in den USA bereits den X60 vorgestellt, der über 60 % dickere Gummibürsten verfügt und auf Teppichen eine Art Vakuumkammer zwischen Teppichfasern und Saugmodul bildet, was (angeblich) noch einmal zu einer besseren Teppichreinigung führt. Caveat: Dass der X60 in den USA vorgestellt wurde, heißt nicht, dass er so oder überhaupt auch bei uns erscheint (wenngleich ich das für sehr wahrscheinlich halte). Ein weiterer Punkt, bei dem alle aktuellen Saugroboter meiner Meinung nach noch Luft nach oben haben, ist die Reinigung von Fliesenfugen.
5. Navigation
Die gute Nachricht gleich vorneweg: Es funktioniert. Der Matrix10 reinigt die Stellen, die er erreichen kann, zuverlässig. Souverän ist er dabei allerdings leider nicht immer. Ich habe in meiner Wohnung z. B. einen ca. 34cm schmalen Bereich, der auf der einen Seite von einer Teppichkante, auf der anderen von der dreieckigen Fußbodenleiste meiner Terrassentür begrenzt wird. Der Bereich ist gerade so breit, dass der Roboter mit ausgefahrenem Wischmopp durchfahren, am Ende wenden und in die andere Richtung zurückfahren könnte. Betonung liegt auf „könnte". Leider quält er sich bei diesem aus meiner Sicht einfachen Task bis aufs Blut. Er stoppt, dreht sich im Kreis, fährt immer wieder gegen die Sockelleiste, fährt den Wischmopp unmotiviert aus und wischt damit unter dem Teppich, er fährt mit einem Rad auf den Teppich, dreht die Saugleistung auf maximal, fährt wieder herunter usw. Irgendwann reinigt er den Bereich und er reinigt ihn auch gut, das weiß ich inzwischen, aber er wirkt dabei lost und braucht sehr, sehr lang.
Ich halte es für eine vergebene Chance, dass Dreame da nicht für mehr Souveränität sorgt (ich hatte dasselbe Problem schon mit dem L50 Pro Ultra): Gerade die ersten Reinigungsvorgänge werden von den frischgebackenen Roboterbesitzern mit Argusaugen verfolgt, und von einem Gerät in dieser Preiskategorie erwartet man sich eine makellose Kartierung, eine perfekte Teppicherkennung, saubere, parallele Reinigungsbahnen und eine – auch in schmaleren und engeren Passagen – einwandfreie Navigation. Schafft das Gerät das nicht, mindert das sofort die Freude und sorgt dafür, dass man das Gerät mit ein bisschen mehr Skepsis betrachtet, auch wenn alle anderen Punkte perfekt funktionieren.
Aufgrund der Zeichenbeschränkung hier im Forum musste ich meinen Review auf 2 Teile aufsplitten, hier der Link zu Part2: